The Inner Game – Gedanken positiv beeinflussen
- Markus Zwicky

- 11. Sept. 2019
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Sept. 2019
Alles was wir tun, jede Handlung, besteht aus zwei Teilen: einem äusseren und einem inneren. Der äussere Teil beinhaltet die tatsächliche Handlung, Velofahren, ein Russian Twist im Krafttraining oder ein Kundentelefonat führen.
Im inneren Teil setzen wir uns mit den Gedanken auseinander, welche mit der eigentlichen Handlung einhergehen. Das können Freude und Motivation, aber auch Anspannung, Nervosität, Konzentrationsschwäche oder Selbstzweifel sein.
Aus der Erkenntnis des Äusseren und des Inneren hat Timothy Gallwey die Technik «Inner Game» entwickelt. Timothy Gallwey, heute anerkannter Sportpsychologe, war einst ein talentierter Tennisspieler. In dieser Zeit kam es vor, dass er einen sicher geglaubten Sieg noch verspielte, weil ihm seine Gedanken einen Strich durch die Rechnung machten.
Für sein Tennisspiel hatte er viele Unterstützer: Konditionstrainer, Schlagtrainer und weitere Spezialisten, welche sein Spiel verbesserten. Für die spezifische Steigerung der mentalen Stärke gab es jedoch keine Hilfe. Also setzte er sich mit der Thematik auseinander und entwickelte seine eigene Technik dafür.
Da die gedankliche Beeinflussung nicht nur im Tennis, sondern überall im Alltag stattfindet, kann diese Technik in vielen Bereichen gewinnbringend eingesetzt werden. In der Freizeit bspw. beim Biken, Krafttraining oder Joggen, aber auch im Berufsleben beim Halten von Reden, Kundentelefonaten oder Verkaufsterminen.
Ausser wenn wir ganz in einer Sache aufgehen und wie automatisch, ohne nachzudenken aus dem Gefühl heraus agieren, im sogenannten Flow sind, beeinflussen unsere Gedanken unser Tun. Und meist ist diese Beeinflussung nicht förderlich. Meist lenkt sie uns ab, weil wir eher Worst Case denn Best Case orientiert denken.
Die «Inner Game» Technik hat das Ziel, sich negative Beeinflussungen bewusst zu werden, diese ins Positive abzuändern und für die Erreichung unserer Ziele zu nutzen.
Leistungsfähigkeit = Potential – Störfaktoren!
Unsere Leistung hängt wesentlich von unserem Potential ab. Das kann bspw. unsere Kondition bei einem Bikerennen, unsere Maximalkraft auf der Hantelbank oder unsere verkäuferischen Fähigkeiten bei der Akquise sein.
Dieses Potential können wir durch Training oder das Aneignen neuer Techniken und Fähigkeiten vergrössern. Nachfolgende Grafik illustriert das indem das ursprüngliche Potential, hellblau, mit den neuen Anlagen um den dunkelblauen Ring vergrössert wird.

Dadurch haben wir zwar mehr Potential, doch in der Regel denselben oder sogar einen noch tieferen Ausschöpfungsgrad, da unsere Leistungsfähigkeit endlich ist. Heisst, entweder uns geht die Zeit oder die Energie aus. Weil mit nachlassenden Energiereserven oder unter Zeitdruck meist nicht die volle Leistungsstärke erbracht werden kann, hebt sich der positive Effekt des zusätzlichen Potentials häufig sogar wieder auf.
Nun kommt das «innere Spiel» zum Zug, dass Einfluss nimmt auf die Störfaktoren, die uns ablenken und verhindern, dass wir unser Potential richtig nutzen. Da unsere Leistungsfähigkeit das Ergebnis unseres Potentials abzüglich unserer Störfaktoren ist, bedeutet das, dass wir unsere Leistung verbessern können, schaffen wir es die Störfaktoren zu minimieren.
Nachfolgende Grafik zeigt, wie sich unser Erfolg um 25% reduziert, weil wir wegen den Störfaktoren nicht unser komplettes Potential ausschöpfen können.

Mit der «Inner Game» Technik wird nun direkt auf diese mentalen Störfaktoren Einfluss genommen, um sie zu reduzieren. Wenn wir diese Störfaktoren durch mentale Stärke halbieren, was realistisch möglich ist; verbrauchen wir doch sehr viel Zeit mit negativen Gedanken; haben wir schon mehr erreicht als wenn wir nur unser Potential vergrössern.

Wie das im Detail abläuft, welche Schritte, bzw. welche Vorbereitung und Einstellung nötig sind und welchen Effekt sie zu erwarten haben, erfahren sie nachfolgend.
1. Schritt: Werden sie sich bewusst, welches äussere Spiel abläuft! Versetzen sie sich in die Situation, in denen sie mit Störungen oder negativen Gedanken zu kämpfen haben. Schaffen sie sich bewusst assoziativ auf ihrer Gefühlsebene dieses Erlebnis. Spüren sie, wie bspw. im Krafttraining die Muskulatur spannt, wie weitere Wiederholungen immer schwieriger werden und sie an ihre Grenzen kommen.
2. Schritt: Innere beeinflussende Gedanken bewusst werden! Schliessen sie nun ihre Augen und erzählen sie, was in ihrem Innern abläuft, welche Gedanken erscheinen, sie beeinflussen, sie fördern oder bremsen.
3. Schritt: Gedanken analysieren und gegebenenfalls austauschen! Überlegen sie sich nun, ob sie diese Gedanken unterstützen und ihrem Ziel näher bringen oder ob sie dadurch gebremst werden und die Zielerreichung schwieriger wird. Sollten sie sich dadurch eingeschränkt fühlen, ersetzen sie die bremsenden Elemente mit stärkenden Botschaften aus den «Inner Game»-Erkenntnissen. Wichtig ist, dass diese in ihren Worten formuliert werden und für sie stimmig und glaubwürdig sind. Nur so kann der gewünschte Effekt erzielt werden.
Wie bremsende Gedanken in unterstützenden Fantasien gebracht werden können, ersehen sie in nachfolgenden Beispielen einmal bei einem Ausdauerathleten, einmal bei einem Kraftsportler und einmal bei einem Vertriebsmitarbeiter:

4. Schritt: Programmieren sie sich auf Erfolg! Gehen sie nun wieder wie im Schritt 2 mit geschlossenen Augen, assoziativ, in die Handlung und sobald die bremsenden Gedanken kommen, ersetzen sie diese mit den neuen, verbesserten Fantasien. Wiederholen sie das laufend. In der mentalen Arbeit ist es wie in anderen Trainingsarten, erst das fortwährende Training führt zu anhaltendem Erfolg. Anfangs werden die ursprünglichen Beeinflussungen noch ab und zu kommen. Wenn sie diese dann jeweils konsequent mit dem neuen Text ersetzen, werden sie diesen rasch verinnerlichen und so die Störfaktoren minimieren und irgendwann ausschalten können.
Obwohl diese Technik ursprünglich als Selbstcoaching konzipiert wurde, hat sich gezeigt, dass diese vorzugsweise zusammen mit einem Mentaltrainer eingeübt wird. Es ist notwendig, unter Augenschluss assoziativ, in die entsprechenden Situationen einzutauchen und diese mental zu erleben.
Muss ich während des Prozesses, um Erkenntnisse dieses Erlebnisses festzuhalten, ins Hier und Jetzt zurückkehren, kann das zu Störungen des Ablaufs führen oder ein ausreichend tiefes Eintauchen in das Ereignis verhindern. Richtig abschalten können und den Gedanken freien Lauf lassen sind wichtig, um Ergebnisse zu erzielen.
Um die Möglichkeiten von «Inner Game» am eigenen Leib zu erleben, können sie alternativ, mit dem Risiko nicht die notwendige Tiefe zu erreichen, mit offenen Augen den Prozess durchlaufen oder aber sie nehmen mit einem Recorder auf, was ihnen während Augenschluss durch den Kopf geht und analysieren es später.
Sollten auch sie Situationen kennen, bei denen sie immer wieder von negativen Gedanken aufgehalten werden oder sie unsicher machen, versuchen sie mit der «Inner Game» Technik dagegen anzugehen.
Berücksichtigen sie aber bitte, dass auch «Inner Game» kein Wundermittel ist, dass aus einem Bike Anfänger einen Marathoni oder einem Kraftsporteinsteiger einen Mister Universum macht. Gehen sie mit gesundem Menschenverstand an die Sache und vernachlässigen sie keinesfalls ihre Gesundheit. Sollten sie diesbezüglich unsicher sein, fragen sie lieber einmal zu viel als zu wenig ihren Trainier oder Arzt, ob ihr Körper die geplante Steigerung bereits verträgt.
Nun wünsche ich ihnen viel Spass bei ihrer mentalen Arbeit und viel Erfolg bei ihrer «Umprogrammierung.» Sollten sie weiterführende Informationen oder eine professionelle Umsetzung mit Hilfe eines Mentaltrainings wünschen, stehe ich ihnen gerne zur Verfügung.
Ihr Markus Zwicky






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